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So entlarven Sie unseriöse SEO-Agenturen

Ein Teil der Prüfung der Seriosität einer SEO-Agentur ist relativ einfach, weil auch SEO-Agenturen Unternehmen sind und deswegen die üblichen Hinweise auf unseriöse Geschäftspraktiken hier ebenfalls zu beachten sind. Der zweite Teil der Prüfung ist insofern ein wenig schwieriger, als unseriöse Agenturen ihre Kunden oft mit Versprechen ködern, die entweder nicht zu halten oder schlicht irrelevant sind.

UNSERIÖSE GESCHÄFTSPRAKTIKEN

Je nachdem, wie groß Ihr Unternehmen ist, werden Sie ohnehin mehr oder weniger Aufwand betreiben, um die Seriosität potenzieller neuer Geschäftspartner zu prüfen. Es gibt eigentlich keinen Grund, bei SEO-Agenturen von dem in Ihrem Hause üblichen Standardverfahren abzuweichen. Einen besonderen Hinweis verdienen in diesem Zusammenhang aber unerwünschte Werbeanrufe oder E-Mails. Solche aggressiven Marketingpraktiken sind immer ein Hinweis auf mangelnde Seriosität, aber für eine SEO-Agentur ist dieses Verhalten besonders peinlich. Denn die Aufgabe einer SEO-Agentur besteht darin, dafür zu sorgen, dass Sie von Ihrer Zielgruppe im Internet problemlos gefunden werden. Wenn eine SEO-Agentur planlos in der Welt herumtelefonieren muss, hat das zumindest bei dem eigenen Internetauftritt nicht besonders gut funktioniert!

NICHT JEDER KANN ERSTER SEIN

Viele SEO-Agenturen versprechen eine Top-Ten-Platzierung in den Trefferlisten von Google, einige sogar noch mehr. Wenn es um stark nachgefragte Keywords geht, ist ein solches Versprechen utopisch. Deswegen sollten Sie immer sofort nachfragen, zu welchem Suchbegriff – oder zu welcher Kombination aus Suchbegriffen – Ihnen denn eine Top-Ten-Platzierung versprochen wird. Für eine Suchphrase wie „Hochseehafen in Bielefeld“ könnte selbst Platz eins realistisch sein, was aber nicht wirklich weiterhilft. Ein wenig kompliziert wird es an dieser Stelle deshalb, weil auch Agenturen wie wir Seiten auf weniger stark umkämpfte Kombinationen aus Suchbegriffen optimieren müssen, da man sich mit isolierten Keywords wie „Smartphone“, „Auto“ oder „Geldanlage“ in aussichtslose Kämpfe mit milliardenschweren Weltkonzernen stürzt. Bei der Entscheidung für eine Begriffskombination sind aber zahlreiche Faktoren zu berücksichtigen: Wird diese Kombination überhaupt von hinreichend vielen Usern genutzt? Gehören diese User zu Ihrer Zielgruppe? Wie stark sind die Wettbewerber, die ebenfalls auf diese Kombination setzen? Wenn eine SEO-Agentur diese drei Fragen überzeugend beantworten und ihre Antworten auch mit überprüfbaren Daten belegen kann, sind Sie auf der Suche nach einer seriösen Agentur einen wichtigen Schritt weiter!

DIE ZIELE IM BLICK BEHALTEN

Sie selbst wissen am besten, was Sie mit Ihrer Homepage erreichen wollen – Waren verkaufen, Kontakte herstellen oder was auch immer. Kein Inhaber eines Ladengeschäfts käme je auf die Idee, es als Erfolg zu verbuchen, wenn Leute scharenweise durch seinen Laden rennen und ihn anschließend frustriert wieder verlassen. Wenn es nur darum ginge, wäre alles ganz einfach. Beispielsweise könnte er mit nicht vorhandenen Angeboten werben (was natürlich nicht legal wäre) oder sogar Leute dafür bezahlen, eine Runde in seinem Laden zu drehen. Das klingt ein wenig albern, aber im Internet sind solche Tricks durchaus üblich, um die Klickzahlen auf einer Seite zu erhöhen. Die Rolle der bezahlten Rundendreher übernimmt dabei eine Software, die von irgendwelchen Rechnern automatisch eine Website aufruft. In weitaus größerem Stil wird dieses Verfahren bei Online-Werbeanzeigen eingesetzt, bei denen eine Vergütung entsprechend der Anzahl der Aufrufe erfolgt. Hier wie dort funktioniert dieser Trick nur, weil sich irgendjemand darauf eingelassen hat, die Zahl der Klicks als alleinigen Maßstab für eine Erfolgskontrolle zu akzeptieren, und seine wahren Ziele aus dem Auge verloren hat. Schon gar nicht sollten Sie als Ziel der SEO die Verbesserung irgendwelcher Werte akzeptieren, von denen Sie bis gestern noch nicht einmal wussten, dass es diese überhaupt gibt. Besonders gerne werben Agenturen mit der Verbesserung des Pagerankings einer Website. Das klingt beeindruckend und ist im Prinzip auch nicht schlecht, aber das Pageranking ist nur einer von rund 200 Faktoren, die die Sichtbarkeit im Web beeinflussen. Dass es einige wie eine Monstranz vor sich hertragen, hängt auch damit zusammen, dass dieses Ranking früher einmal deutlich wichtiger war als heute. In dieselbe Kategorie fällt das Versprechen, Ihre Website sofort bei Google anzumelden. Erstens könnten Sie das in wenigen Sekunden selbst tun und zweitens bringt eine übereilte Anmeldung keinerlei Vorteile. Google entscheidet selbst, wann die Seite in den Suchindex aufgenommen wird. Auch aus SEO-Sicht bringt die sofortige Anmeldung absolut nichts!

RISKANTE MANÖVER

Grundsätzlich existieren zwei denkbare Vorgehensweisen, um in den Trefferlisten von Google voranzukommen. Der langfristig erfolgreichere Weg besteht darin, die Google-Richtlinien für Webmaster so weit wie möglich zu befolgen. Der zweite Weg wäre, Google austricksen zu wollen. Ersteres war früher nicht immer einfach, weil Google teilweise Dinge sehen wollte, die nun wirklich nicht zur Nutzerfreundlichkeit einer Website beitrugen. Aber diese Zeiten sind längst vorbei. Wer sich dennoch für die höchst riskante zweite Methode entscheidet, will meist schneller zum Erfolg kommen, als dies seriös möglich ist. Deswegen sollten Sie schon hellhörig werden, wenn eine SEO-Agentur besonders schnelle Erfolge verspricht. Noch hellhöriger sollten Sie werden, wenn die Agentur Ihnen zu verstehen gibt, dass Sie besser nicht fragen sollten, wie sie diese schnellen Erfolge erzielen will. Selbst wenn sich diese raschen Erfolge tatsächlich einstellen sollten, werden Sie nicht lange Freude daran haben, denn diese Anbieter werben beispielsweise oft mit Link-Netzwerken, mittels derer sie zahlreiche künstliche Backlinks generieren. Es kann tatsächlich sein, dass sie ein Link-Netzwerk betreiben, das Google noch nicht aufgespürt hat. Es ist aber auch möglich, dass dieses Netzwerk schon morgen auffliegt und Ihre Website mit in den Abgrund reißt!

Steffen Schreiber verantwortet als einer der beiden Geschäftsführer der Klicktivisten GmbH insbesondere die Ressorts Recht und Marketing. Fragen zu diesem Artikel senden Sie gern an steffen.schreiber@klicktivisten.de