Magento Shopsystem

Magento: Das Schwergewicht unter den Shopsystemen

Die mehrsprachige Open-Source-Software Magento ist als E-Commerce-Lösung bereits seit dem Jahr 2008 auf dem Markt und konnte sich ausgezeichnet etablieren: Rund zwanzig Prozent (Stand 2015) aller Onlineshops nutzen Magento, was der Software einen Platz unter den Top 3 der Shopsysteme beschert.

MAGENTO – GESCHICHTE UND PERSPEKTIVE

Die Magento Inc. ist seit der Gründung im Jahr 2001 im kalifornischen Culver City ansässig und zeichnet für die Entwicklung der E-Commerce-Lösung verantwortlich. 2015 wurde das Unternehmen, das zu eBay gehörte, an einen Investor verkauft. Die Arbeiten am Shopsystem begannen 2007, bereits 2008 konnte die Version 1.0 veröffentlicht werden. Im Jahr 2011 vervollständigte Magento sein Angebot um „Magento Go“, eine zum Cloud-Computing gehörende Variante von „Software as a Service“ (SaaS), die gegen Gebühr betrieben und gewartet wird. Aktuell ist Magento 2 verfügbar, das als überarbeitetes Onlineshop-System nicht nur mehr Performance und eine bessere Skalierbarkeit mit sich bringt, sondern auch einen Magento-Connect-Marktplatz anbietet.

DIE TECHNIK

Die Open-Source-Shopsoftware nimmt Zend Frameworks zu Hilfe, basiert auf PHP und verwendet MySQL. Diese Kombination aus Programmiersprache, Framework und Datenbanksystem ist häufig die Grundlage bekannter Open-Source-Software wie bspw. WordPress oder Drupal. Zur Konfiguration der technischen Basis und der Schnittstellen verwendet Magento XML, um die Darstellungen sowohl im Front- als auch im Backend bedarfsgerecht anpassen zu können.

DIE WESENTLICHEN MERKMALE

Da Magento sowohl in einer kostenlosen Community-Edition als auch in einer Enterprise-Edition angeboten wird, hängt es von der Ausrichtung und Größe des jeweiligen Onlineshops ab, welche Variante die passende ist. Schon in der Community-Edition sind zahlreiche Leistungen enthalten: Das Design lässt sich den individuellen Ansprüchen anpassen, darüber hinaus stehen alle Standardfunktionen, die für einen Shop vorausgesetzt werden, zur Verfügung. Dazu zählen beispielsweise Produktvergleiche und -bewertungen, Wunsch- und Merkzettel, Up- und Cross-Selling. Der Onlineshop kann verschiedene Bezahl- und Versandvarianten integrieren sowie Rabatte und Gutscheine verarbeiten. Mit den intelligenten Analysetools lassen sich abgebrochene Transaktionen ebenso untersuchen wie die Umsatzentwicklung oder die verwendeten Suchbegriffe.

Die Enterprise-Edition ist kostenpflichtig, dafür werden aber Gewährleistung und ein umfangreicher Support von Magento selbst gestellt. Im Gegensatz zur Community-Edition, bei der für die zahlreichen Funktionen keinerlei Haftung übernommen wird, können die Nutzer dieser Version auf funktionssichere Erweiterungen bauen, die in der Regel von zertifizierten Entwicklern umgesetzt werden. Eines der Highlights ist der WYSIWYG-Editor, der es auch den nicht in HTML-Programmierung bewanderten Anwendern erlaubt, die Optik des Onlineshops zu verändern. Darüber hinaus ermöglicht die Rich Merchandising Suite die effektive Selektion der Kundendaten, um beispielsweise Werbeangebote und Mailingaktionen genau platzieren zu können. Weitere Funktionen umfassen Treuepunkte, die an regelmäßige Käufer vergeben werden können, die Sicherung von Produktvergleichen, Wunsch- und Merkzetteln oder die Vergabe von unterschiedlichen Zugriffsrechten an Mitarbeiter.

Obwohl beide Varianten dieser E-Commerce-Lösung dieselbe technische Plattform nutzen, weichen die Funktionalitäten und vor allem der Service doch weit voneinander ab. Vor allem bei den sogenannten Extensions, also Erweiterungen, scheiden sich die Geister: In der Community-Edition übernimmt Magento weder Garantien noch Gewährleistung – erhebt dafür aber auch keine Gebühren. Innerhalb der Enterprise-Edition gibt es eine weitere Unterscheidung: Über die Standard-Ausführung hinaus steht eine deutlich komfortablere Premium-Variante zur Verfügung. Diese enthält mehrere Shop-Lizenzen, umfangreiche Support- und Beratungsleistungen sowie weitere Features, die zur Shop-Optimierung genutzt werden können.

DIE TYPISCHEN PROBLEME UND HERAUSFORDERUNGEN

Bei der kostenlosen Community-Edition lassen sich die Probleme und Herausforderungen in der Arbeit mit der E-Commerce-Lösung Magento in folgenden Punkten zusammenfassen:

  • Programmierkenntnisse sind für Anpassung und Templates notwendig
  • Kosten für Installation und Konfiguration
  • Aufwand für Pflege des Onlineshops
  • Einbindung qualifizierter Agentur wegen Komplexität empfehlenswert
  • Hosting muss Anforderungen erfüllen

Die Vorteile sollen aber ebenso Erwähnung finden:

  • modularer Aufbau erlaubt Anpassung und bedarfsgerechte Erweiterung
  • enorme Anpassungsfähigkeit durch zahlreiche Extensions
  • Multishops und mehrsprachige Shops möglich
  • umfangreiche Features für E-Commerce, Onlinemarketing, SEO, Social Commerce und Promotion
  • modern und hohe Zukunftssicherheit

MAGENTO – ABGRENZUNG ZU ANDEREN SHOPSYSTEMEN

Im Prinzip haben sich auf dem deutschen Markt für professionelle Onlineshops zwei Größen herauskristallisiert: Magento und Oxid. Beide E-Commerce-Lösungen sind modern programmiert und erlauben individuelle Zuschnitte, ohne dass der Programmkern dazu angegriffen werden müsste. Magento ist schon wegen der komplexen Templates und der Ausrichtung auf Zend Frameworks der bevorzugte Kandidat, wenn es um Systemflexibilität und Multishops geht. Oxid hingegen empfiehlt sich, wenn Anbindungen an Drittanbieter für den Shop wichtig sind – diese werden nämlich kostenlos zur Verfügung gestellt. Es ist also immer das konkrete Projekt entscheidend, wenn es um die Auswahl eines Shopsystems geht.

Dalibor Stojanovic verantwortet als einer der beiden Geschäftsführer der Klicktivisten GmbH insbesondere die Technologie und E-Commerce. Fragen zu diesem Artikel senden Sie gern an dalibor.stojanovic@klicktivisten.de